Archiv für Februar, 2009

Im Vorwärtsgang

Ganz ehrlich, wir hatten vor dem Anpfiff nicht viel Hoffnung. Das Desaster in Cottbus noch im Gedächtnis, ein zuletzt starker Gegner, immer noch winterliches Wetter - wenn wir keine Dauerkarten gehabt hätten, wären wir wohl auch wie viele andere Fans zu Hause geblieben. Gerade mal 31.000 Zuschauer in einem Topspiel im Stadion - so leer war’s ewig nicht. Das Spiel begann vielversprechend - für Stuttgart. 1:0 Gomez in der 7. Minute. Nicht viel später fiel das 2:0, und wir wähnten uns schon in einer Wiederholung des Leverkusen-Spiels. Der Gedanke, sich das nicht bis zum Ende anzutun, erschien angesichts der Außentemperatur durchaus vernünftig.

Was aber dann geschah, lässt sich mit nur einem kleinen Exkurs in die Mentalität unserer alpenländischen Nachbarn erklären. Wie Anne und ich gerade bei unserem Trip in das Land der Berge, Skipisten und Grippeviren erfahren haben, gibt es zwei Arten von Schweizern. Die einen (nennen wir sie mal Berg-Schweizer) fahren nicht nur mit Höchstgeschwindigkeit steilste Skipisten runter, sondern schieben mit demselben Tempo arme kleine Touristinnen vor sich her, die sich nicht trauen, die verschneiten Serpentinen im vierten Gang runter zu fahren. Zu dieser Kategorie gehört Mario Eggimann leider nicht. Der ist ein Autobahn-Schweizer. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht mal die 120 km/h fahren, die in der Schweiz erlaubt sind - ist schließlich die Höchstgeschwindigkeit, man darf auch lang-sa-mer. Vielleicht hätte man ihm vor dem Spiel noch mal erklären sollen, dass im Gegensatz zu den Highways seiner Heimat Überholmanöver wie das von Mario Gomez nicht mit empfindlichen Geldstrafen geahndet, sondern mit Gegentoren belohnt werden.

Mit der folgerichtigen Auswechslung von Eggimann wurde nicht nur die vorher völlig kopflose Abwehr sicherer, sondern das Spiel nahm Tempo auf. 2:1 durch Jiri, und uns wurde langsam wieder warm. Pinto (der Mann für die dramatischen Momente im Spiel) holte einen Freistoß raus, und den verwandelte der polnische Neuzugang mit dem unaussprechlichen Namen und der genialen Schusstechnik auf eine Art und Weise, die auch Torwart Lehman in erfurchtsvolle Starre verfallen ließ. Wir waren ebenso beeindruckt, übten fleissig die Aussprache (”Schünowek”?) und freuten uns über das 2:2 zur Pause.

In der zweiten Halbzeit stürmte und kämpfte Hannover, zu schade, dass die zahlreichen Torschüsse nicht zu weiterem zählbarem Erfolg führten (den Satz sollte man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen, ist schon eine ganze Weile her, dass wir das über die Roten sagen konnten ;-) ).

Die Aufregung der Stuttgarter über ein nicht gegebenes (Abseits-)Tor konnten wir dagegen nicht so ganz nachvollziehen. Liebe Schwaben, es geht absolut nicht den Torwart des Gegners im Fünfmeterraum ins Gesicht zu treten. Schon gar nicht, wenn der gerade erst wieder heile ist und dringend gebraucht wird. Savvy?

In der 69. Minute wurde dann gefühlte 70 Minuten zu spät Hanke gegen Forssell ausgewechselt - und der bedankte sich mit der 3:2 Führung. Unglaublich - das fand auch der Schiedsrichter, der nach dem späten Ausgleich der Stuttgarter ohne Nachspielzeit sofort abpfiff. Wohlmöglich hätte Hannover sonst tatsächlich noch zum 4:3 getroffen ;-)

Wir haben uns jedenfalls über ein temporeiches Spiel mit vielen Toren gefreut, das wieder Hoffnung auf bessere Zeiten macht - nicht zuletzt durch Krzy-no-wek. Bis zum nächsten Heimspiel sprechen wir das fehlerfrei aus, versprochen! :-)

Sonntagsausflug nach Cottbus

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