Himmel, was für ein unterirdisch schlechtes Spiel. Und dafür haben wir uns auf die Reise über die Dauerbaustelllen-Autobahnen A2 und A1 gemacht, um dann auf Leverkusens lustiger Stadion-Baustelle herumzustehen. Zum Glück war das Wetter auf unserer Seite, ein Dach gibt es da gerade nicht. Dafür dekorative Kräne und Bauzäune und Klos, die hoffentlich auch noch umgebaut werden.
Bis zum Anpfiff war die Welt noch halbwegs in Ordnung, wir waren pünktlich da, was auf der Strecke keine Selbstverständlichkeit ist, und hatten uns erwartungsvoll mit kühlen Getränken versorgt. Was dann kam, lässt sich allerdings problemlos mit denselben Worten beschreiben wie das Heimspiel gegen Leverkusen in der vergangenen Saison: “Totstellen und Spiel wegschenken”. Da spielte auf dem Platz genau eine Mannschaft Fußball - und die war zwar mit roten Trikots aufgelaufen, kam aber leider nicht aus Hannover.
Um es kurz zu machen: Das grenzte an Arbeitsverweigerung und kann nicht durch Ausfälle entschuldigt werden. Da funktionierte gar nichts, kein Engagement, kein “hin zum Ball und rein in die Zweikämpfe”, also das, was man so wohlwollend unter “Aufbäumen” verstehen könnte - nix. 96 konnte von Glück sagen, dass die Leverkusener nicht wirklich ernst gemacht haben, das Ergebnis hätte durchaus noch schlimmer ausfallen können. Das alleine der nicht mal im Ansatz vorhandenen Abwehr anzulasten trifft es irgenwie nicht, weil absolut alle Spieler gedanklich irgenwo beim Freundschaftsspiel gegen Dorfclub Sonstwiehausen weilten.
Zu allem Überfluss war der Alkoholgehalt im Bier eindeutig zu niedrig, das war keine Light-Version sondern alkoholfreies Bier. Keine Chance, sich damit über das katastrophale Spiel der 96er hinwegzutrösten. Folgerichtig führte unser Weg aus dem Stadion (nachdem ENDLICH abgepfiffen wurde) auch nicht direkt zum Bus, sondern erst mal am Kiosk vorbei, um echtes Bier einzukaufen.
Der Kiosk-Mann guckte zunächst etwas verwirrt, weil er uns farblich nicht so ganz zuordnen konnte (”Schwarz-weiß-grüne zusammen mit rot-schwarzen?”), war aber erfreut über so viel Kundschaft. O-Ton Maren: “Ich nehme sieben - aber die sind nicht alle für mich!”
Nein, auch für mich, weswegen wir dann acht draus gemacht haben, ließ sich besser auf zwei Tüten aufteilen.
Im Bus machte zunächst mal das Interview von Enke die Runde, der sich bei Premiere SEHR deutlich zum Spiel geäußert hat. Ist auch richtig so, Hannover ist auf dem besten Weg, Nürnbergs Absturz-Nummer aus der letzten Saison zu wiederholen. Enkes Ansage wird zwar gegen Schalke und Bayern nicht helfen, und Schlaudraff ist jetzt eh erst mal verletzt, aber danach sollte Hannover sein Saisonziel erst mal schnellstens auf “Nichtabstieg” korrigieren.
Die Rest der Rückfahrt war dann richtig kuschelig im Bus, erst ein Bier mit genug Umdrehungen, dann lecker Tee mit Rum, und dann mit Terry Hoax im Ohr sanft entschlummert. War eigentlich noch das beste an diesem Tag, der irgendwie zwischen “Happy times are waiting” und “Where does all the anger come from?” schwankte. Ich bin jetzt mal gespannt, wie es weitergeht, und wann die Trainerdiskussion beginnt. Und gar nicht mehr so unglücklich darüber, dass ich das Bayern-Spiel verpasse