Der Tag fing ja an sich nicht so schlecht an. Alle pünktlich am Bahnhof, genügend Verpflegung im Gepäck, und die Fahrt in den Osten dauerte ja auch nicht so lang. Dafür durften wir am Bahnhof erst mal warten. Auf andere Züge mit weiteren Fans, damit auch ja keiner die Loveparade zum Stadion verpasste.
Nachdem wir dann eine gefühlte Ewigkeit durch Halle gelatscht sind (und soo sehenswert ist die Stadt dann doch nicht), kamen wir eine Viertelstunde vor Spielbeginn dann wirklich am Stadion an - um gleich wieder rumzustehen. Nur 4 Eingänge, völlig überforderte Ordner, und natürlich ungeduldige Fans, die gerne den Anpfiff von der Tribüne aus gesehen hätten. Hat nicht ganz geklappt, die erste Viertelstunde des Spiels hat ohne uns stattgefunden.
Immerhin haben wir das erste Tor von Schlaudraff gesehen, und in der ersten Halbzeit einen wie immer sicheren Enke, vielmehr passierte eigentlich nicht. Die Hallenser durften sich über ihr munter mitspielendes Team freuen - und wir uns über das 1:0. Zeit genug also, um Bier zu trinken, in der Sonne zu brutzeln und rot-grüne “Wir waren dabei”-Schals zu erwerben (Danke Philipp
). Die Dixiklos im Stadion waren zwar auch etwas gewöhnungsbedürftig, aber für uns als Festivalbesucher keine echte Herausforderung
Warum sich die Ultras mit ihrer Pyrotechnik selbst räuchern müssen, bleibt wohl ihr ewiges Geheimnis, ebenso der Sinn von Knallkörpern (sollen das die “Raketen” gewesen sein, die laut Presseberichten aus dem 96er Fanblock aufs Spielfeld geschossen wurden?). Der Stadionsprecher mahnte zu Besonnenheit, denn “bei uns in Halle findet das Feuerwerk auf dem Rasen statt”.
Die 96er nahmen das wörtlich. Die zweite Halbzeit begann mit Toren von Ballitsch, Bruggink und Hanke, der sich mit einem wirklich schönen Tor für die suboptimale erste Halbzeit rehabilitierte. Bis eine Viertelstunde vor Schluss also ein entspannter Nachmittag mit standesgemäßem Ergebnis. Tja, und dann kam völlig unmerkt von den Ordnern Bewegung in den Block der Hallenser …
Mit den “Krawallen” wird sich nächste Woche der DFB-Kontrollausschuss befassen. Für uns, die dummerweise mittendrin standen, bleiben eine Menge Fragen offen. Wieso war zu diesem Zeitpunkt keinerlei Polizei im Stadion? Die kam reichlich spät. Wieso wurde gleich anschließend im Fernsehen verbreitet, dass die Aktionen von den Hannoveraner Fans ausgegangen wären, die “Holzlatten” auf die andere Seite geworfen hätten? Gemeint waren damit vermutlich die Plastikdinger von den Fahnen, was allerdings vor allem flog waren die Trümmer der Sitzschalen, und die kamen eindeutig nicht aus der Stehplatz-Gästekurve. Wieso war auf der anderen Seite plötzlich die Tür zum Pufferblock offen? Und wieso waren Hannoveraner und Hallenser überhaupt so dicht zusammen untergebracht, während der Rest der Kurve leer war?
Auch Spielern wie Robert Enke gelang es nicht, die Fans zu beruhigen, und erst nachdem dann doch noch die Polizei im Stadion aufmarschierte, konnte nach 10minütiger Unterbrechung weitergespielt werden - so richtig mitbekommen hat das aber niemand mehr. Wir waren am Ende froh, ohne weitere größere Zwischenfälle irgendwann wieder am Bahnhof zu sein (den Weg durch Halles idyllische Randbezirke kannten wir ja schon) und glücklich und vollzählig im Sonderzug zu sitzen.
Ich freu mich jedenfalls richtig auf das Cottbus-Spiel am übernächsten Wochenende. Zum Glück ist das ein Heimspiel
PS: Das fünfte Tor hat übrigens Bruggink geschossen. Und Maren bekommt für die nächste Auswärtsfahrt so einen praktischen Autofahrer-Kaffeebecher, um den Bierverlust zu minimieren 