Kollateralschaden

Kennt ihr das? Millennium: ein bombastisches Feuerwerk wird avisiert, Geheimniskrämerei allerorten und dann – ein feucht gewordener Teppichknaller macht leise „puff“. So in etwa fühlte sich der „Brief der Woche“ an, den Ultras und Fanbeauftragte etliche Wochen lang vorbereitet hatten und als Brustlöser verkauft wird.

Nach der ersten Enttäuschung lässt sich einigermaßen nüchtern konstatieren: die Ultras haben ihr eigenes Süppchen gekocht. Verwundert blinzeln wir auf die neue Eintracht zwischen Verein und Ultras – beide Seiten mit umfangreich dokumentierten Fehlern, aber wieder in Friede, Freude, Eierkuchen-Modus. Und dazwischen … wir, als Kollateralschaden.

Wir haben übrigens keine Fehler begangen (jedenfalls nicht als Fans), trotz allem im Stadion ausgeharrt und nun: abgespeist mit lapidarem Gefasel à la „wir machen alle Fehler“ anstelle einer konkreten Entschuldigung von beiden Seiten an Rote Kurve, Fanladen, Bechersammler, Auswärtsfahrer – alles weggebrochen, aber alles nicht bemerkt.

Und als Krönung im Namen der aktiven Fanszene geschrieben. Fühlt sich an wie Verrat. (Das es lediglich aus einer gerichtlich festgestellten Tatsache besteht, ist viel zu feinsinnig.)

Fakt ist: an uns ist das Schreiben mal wieder nicht gerichtet. Wir sind leise und unwichtig und werden eben auch nicht angesichts der prekären sportlichen Lage umworben. Ja, da spricht Frust. Aber eben auch nicht mehr. Ein weiterer Schritt Richtung Gleichgültigkeit, ein weiteres Fünkchen Leidenschaft erlischt.

Schade um ein Hobby, das uns viele Jahre begleitet und viel zu oft unser Leben bestimmt hat.

Alles hat seine Zeit.

Zuhause gegen Hertha BSC

Mit Verständnis von den Gästen. #kmw

Und ja.. Fußball. Und einer Kurve in S-W-G. oder auch nicht.

Das Feuerwerk fand dann auch auf dem Schützenplatz statt. Nicht aber im Stadion.

Die Zukunft?

Wir suchen derzeit eine Alternative für den Stadionbesuch. Eine Location wo wir alle Mädels, Ehrenmädels, Minimädels und Freunde unter einen Hut bekommen können. Am Samstag war nun ein erster Test. Es ist nicht das gleiche, definitiv nicht. Aber für viele von uns ist es sicher, dass wir nach dieser Saison unter den bestehenden Bedingungen an Heimspielen unseren Platz nicht mehr im Niedersachsenstadion sehen.

Aber ob dies nun die Lösung ist?

Noch ein Brief?

Eigentlich ist es eher eine Stellungnahme von uns als ein offener Brief. In dieser Woche ging bei den Fanclubs unter gleichzeitiger medialer Ankündigung in den bekannten lokalen Medien ein Schreiben ein, in dem uns ein 2. Fanbeauftrager vorgestellt wurde. In diesem Schreiben wurden wir, die Fanclubs, als wichtiger und ernstzunehmender Gesprächspartner bezeichnet und man würde in naher Zukunft an uns herantreten.

Nun stellt sich uns die Frage: Was will der Verein von uns?

In den Medien wurde diese Nachricht mit Schlagzeilen wie „Kind geht auf die Fans zu“ angekündigt. In unseren Augen schon der erste Fehler. Nicht Martin Kind ging auf die Fans zu, sondern zwei hauptamtliche Fanbeauftragte. Und … mit dem einen standen wir auch schon vor dieser Nachricht in Kontakt.

Schon nach der Auflösung der Roten Kurve hat der Verein zu zwei Fanclubtreffen eingeladen, an denen wir auch teilgenommen haben. Auf die Einladung zu dem dritten, bei dem uns das Konzept vorgelegt werden sollte, wie mit dem ehemaligen RK-Block umgegangen wird und das Protokoll zu den zwei Treffen, warten wir bisher vergeblich.

Während dieser kurz andauernden Phase der “Kommunikation” zwischen Verein und Fanclubs kam es auch zu einem Mailaustausch zwischen Martin Kind, Thorsten Meier und uns. Nun. Seitdem ist eine Menge passiert. Die IG Rote Kurve wagte sich auch noch einmal an einen Kommunikationsversuch mit Martin Kind. Es gab ein Treffen. Wie das endete, kann man hier lesen.

Vergleicht man die Inhalte der Fanclubtreffen mit dem, was von Seiten des Vereins seitdem unternommen wurde, können wir uns als Fanclub, Fan und Kunde (!) nicht wirklich als ernstgenommene und wichtige Gesprächspartner fühlen.

Zu einer funktionieren Kommunikation auf Augenhöhe gehören:

Respekt

Vertrauen

Verlässlichkeit

All dies sehen wir hier nicht. Die Ereignisse rund um die Braunschweigfahrt, die Auflösung des RK Blocks und die andauernde Diskreditierung der gesamten Fanszene in der Presse sprechen eine deutliche Sprache.

Warum nun dieser Umschwung? Ganz sicherlich nicht, weil wir dem Verein wichtig sind. Es gibt derzeit ein Problem bei dem Verein der sich selbst gerne als Premiumprodukt vermarktet. Die Stimmung. Oder besser… die nicht vorhandene Stimmung, die nicht mehr schöngeredet werden kann, bundesweit für kritische Berichterstattung sorgt und rückläufige Zuschauerzahlen zur Folge hat. Das schmeckt selbst Martin Kind nicht.

Und nun sollen die beiden Fanbeauftragten die Wogen glätten. Die beiden Angestellten des Vereins, die aus unserer Sicht am wenigsten für die derzeitige Lage können.

In unseren Augen reine, heuchlerische Augenwischerei. Mit Herrn Kind an der Spitze und den derzeitig Verantwortlichen (Björn Bremer und Thorsten Meier) wird sich auch durch Treffen mit den Fanbeauftragten nichts in unserem Sinne verändern.

Kommen wir zu der Frage vom Beginn des Textes zurück: Was will der Verein von uns?

Werden uns wieder die Ordner vorgestellt? Die Ordner, die derzeit die „Kind muss weg“-Rufer am liebsten bei Heimspielen aus dem Stadion geleiten würden? Oder sollen wir bei den verbleibenden Heimspielen mit Klatschpappen und Fähnchen für Stimmung sorgen. Oder sollen wir mit Imagefilmen auf das derzeit sportlich wenig erfolgreiche Premiumprodukt eingeschworen werden?

Wir wissen es nicht.

Wir teilen hier die Sicht der Roten Kurve und der IG Rote Kurve:

„Herr Kind schafft es vorbildlich, sich immer wieder als dialogbereit und offen zu verkaufen, tatsächlich lässt er aber seit Jahren jedes Gespräch und jede Vereinbarung platzen und stößt damit auch den letzten dialogbereiten Fans vor den Kopf. Auf dieser Basis kann es unsererseits keine weiteren Gespräche mit Martin Kind geben.“ Zitat aus der Klarstellung der IG Rote Kurve über Gespräche mit Martin Kind vom 29.05.2014

#kmw