Noch ein Brief?

Eigentlich ist es eher eine Stellungnahme von uns als ein offener Brief. In dieser Woche ging bei den Fanclubs unter gleichzeitiger medialer Ankündigung in den bekannten lokalen Medien ein Schreiben ein, in dem uns ein 2. Fanbeauftrager vorgestellt wurde. In diesem Schreiben wurden wir, die Fanclubs, als wichtiger und ernstzunehmender Gesprächspartner bezeichnet und man würde in naher Zukunft an uns herantreten.

Nun stellt sich uns die Frage: Was will der Verein von uns?

In den Medien wurde diese Nachricht mit Schlagzeilen wie „Kind geht auf die Fans zu“ angekündigt. In unseren Augen schon der erste Fehler. Nicht Martin Kind ging auf die Fans zu, sondern zwei hauptamtliche Fanbeauftragte. Und … mit dem einen standen wir auch schon vor dieser Nachricht in Kontakt.

Schon nach der Auflösung der Roten Kurve hat der Verein zu zwei Fanclubtreffen eingeladen, an denen wir auch teilgenommen haben. Auf die Einladung zu dem dritten, bei dem uns das Konzept vorgelegt werden sollte, wie mit dem ehemaligen RK-Block umgegangen wird und das Protokoll zu den zwei Treffen, warten wir bisher vergeblich.

Während dieser kurz andauernden Phase der “Kommunikation” zwischen Verein und Fanclubs kam es auch zu einem Mailaustausch zwischen Martin Kind, Thorsten Meier und uns. Nun. Seitdem ist eine Menge passiert. Die IG Rote Kurve wagte sich auch noch einmal an einen Kommunikationsversuch mit Martin Kind. Es gab ein Treffen. Wie das endete, kann man hier lesen.

Vergleicht man die Inhalte der Fanclubtreffen mit dem, was von Seiten des Vereins seitdem unternommen wurde, können wir uns als Fanclub, Fan und Kunde (!) nicht wirklich als ernstgenommene und wichtige Gesprächspartner fühlen.

Zu einer funktionieren Kommunikation auf Augenhöhe gehören:

Respekt

Vertrauen

Verlässlichkeit

All dies sehen wir hier nicht. Die Ereignisse rund um die Braunschweigfahrt, die Auflösung des RK Blocks und die andauernde Diskreditierung der gesamten Fanszene in der Presse sprechen eine deutliche Sprache.

Warum nun dieser Umschwung? Ganz sicherlich nicht, weil wir dem Verein wichtig sind. Es gibt derzeit ein Problem bei dem Verein der sich selbst gerne als Premiumprodukt vermarktet. Die Stimmung. Oder besser… die nicht vorhandene Stimmung, die nicht mehr schöngeredet werden kann, bundesweit für kritische Berichterstattung sorgt und rückläufige Zuschauerzahlen zur Folge hat. Das schmeckt selbst Martin Kind nicht.

Und nun sollen die beiden Fanbeauftragten die Wogen glätten. Die beiden Angestellten des Vereins, die aus unserer Sicht am wenigsten für die derzeitige Lage können.

In unseren Augen reine, heuchlerische Augenwischerei. Mit Herrn Kind an der Spitze und den derzeitig Verantwortlichen (Björn Bremer und Thorsten Meier) wird sich auch durch Treffen mit den Fanbeauftragten nichts in unserem Sinne verändern.

Kommen wir zu der Frage vom Beginn des Textes zurück: Was will der Verein von uns?

Werden uns wieder die Ordner vorgestellt? Die Ordner, die derzeit die „Kind muss weg“-Rufer am liebsten bei Heimspielen aus dem Stadion geleiten würden? Oder sollen wir bei den verbleibenden Heimspielen mit Klatschpappen und Fähnchen für Stimmung sorgen. Oder sollen wir mit Imagefilmen auf das derzeit sportlich wenig erfolgreiche Premiumprodukt eingeschworen werden?

Wir wissen es nicht.

Wir teilen hier die Sicht der Roten Kurve und der IG Rote Kurve:

„Herr Kind schafft es vorbildlich, sich immer wieder als dialogbereit und offen zu verkaufen, tatsächlich lässt er aber seit Jahren jedes Gespräch und jede Vereinbarung platzen und stößt damit auch den letzten dialogbereiten Fans vor den Kopf. Auf dieser Basis kann es unsererseits keine weiteren Gespräche mit Martin Kind geben.“ Zitat aus der Klarstellung der IG Rote Kurve über Gespräche mit Martin Kind vom 29.05.2014

#kmw

Auch wir haben verstanden…

- dass wir auch als langjährige zahlende Kunden im Stadion nicht willkommen sind
- dass eine Mitgliedschaft bei Hannover 96 unerwünscht ist
- dass man seine Rechte beim Eintritt am Stadion abgibt
- dass Meinungsfreiheit im Stadion nicht erlaubt ist
- dass es wichtiger ist #KMW-Rufer ruhig zu stellen, als rassistische Pöbeleien von den Rängen zu unterbinden
- dass lieber auf neue Gruppen zugegangen werden soll, anstatt es mal vernünftig mit den alten zu versuchen
- dass der Verein seine Anhänger pauschal für ziemlich dämlich hält
- dass Reisefreiheit verboten, aber Rechtsbeugung erlaubt ist
- dass die Interessen Einzelner nicht zählen/unsere Interessen nicht zählen
- dass es nicht darum geht, Fehler einzusehen und sich dafür zu entschuldigen.
- dass alte treue Fangruppierungen keine Wertschätzung und Unterstützung erhalten
- dass kritische, aktive, unbequeme Fans des Vereins durch anonyme Kunden (reine einseitige Konsumeinheit) eines Geschäftsunternehmens (rein marktwirtschaftliches Prinzip, solange sich ein Produkt verkauft ist es egal wer es konsumiert) ersetzt werden sollen
- dass Tradition bei Hannover 96 keine Bedeutung hat

Mach’s gut, Alte Liebe!

#kmw

Heimspiel Stuttgart

Mehr muss man nicht zeigen. #kmw

Fragebogen der KOFAS

Wir wurden von unserem Fanbeauftragen angeschrieben mit der Bitte, bei einer von der “Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport” (KOFAS) durchgeführten Umfrage unter den Fanclubs mitzumachen. Obwohl wir den Fragen kritisch gegenüberstehen und nicht absehen können, was mit den Ergebnissen der Umfrage passiert, haben wir uns dennoch für eine Teilnahme entschieden, getreu dem Motto “Nichtwaehlen ist auch keine Lösung”. Um der Transparenz willen und weil wir zu unseren Antworten stehen, veröffentlichen wir die Fragen und Antworten hier in unserem Blog.
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Liebe 96-Fans,
wir sind Mitarbeiter in der Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Im Sommer wurden wir beauftragt, zu sondieren, wie sich das Verhältnis innerhalb der 96-Fanszene und zwischen Teilen der Fanszene und Hannover 96 darstellt und wie es ggf. verbessert werden kann. Zu diesem Zweck haben wir euch bereits im Juli zu einer „Kick-Off-Veranstaltung“ eingeladen. Die Resonanz bei den Fanclubs war seinerzeit nicht besonders groß. Darum wollen wir euch auf diesem Wege nochmal die Möglichkeit geben, uns eure Meinung zu diesem Konflikt mitzuteilen.
Auf der nächsten Seite findet ihr einen Fragebogen mit sieben Fragen. Wir würden uns freuen, wenn ihr diese Fragen kurz schriftlich beantworten würdet. Die Antworten bitten wir euch, direkt an uns zurückzusenden (unsere E-Mail-Adressen findet ihr oben in diesem Anschreiben). Es wäre schön, wenn dies spätestens bis zum 10. Januar 2015 geschehen könnte. Wir sichern euch zu, dass eure Antworten absolut anonym behandelt werden. Weder die Vertreter von Hannover 96 noch Vertreter der anderen Fangruppen werden von eurer Beteiligung erfahren. Die Inhalte eurer Antworten werden nur anonym verwendet.
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Fragebogen an die Fanclubs von Hannover 96
Fragen zu eurem Fanclub
Wie lange gibt es euren Fanclub?
2007
Wie viele Mitglieder hat euer Fanclub?
31
Wie oft besucht ihr Spiele von Hannover 96 pro Saison?
Heim?
Noch Dauerkarte
Auswärts?
Bis zur letzten Saison regelmäßig. In dieser Saison selten bis nie

2) Fragen zu euren Erwartungen
Was wünscht ihr euch vom Verein?
was könnte der Verein allgemein in Bezug auf den Umgang mit Fans besser machen?
Ehrlichkeit, Respekt, Wertschätzung
was könnte der Verein konkret im Umgang mit eurem Fanclub besser machen?
s.o.
Was wünscht ihr euch von den aktiven und organisierten Fans (zum Beispiel von den Ultras oder der IG Rote Kurve)?
Was könnten die Ultras besser machen?
Was sollen wir dazu sagen, sie sind doch nicht mehr im Stadion
Was könnte die IG Rote Kurve besser machen?
Als nicht ernst genommener Gesprächspartner ist die Frage nicht relevant.
Beispiel: 1. Gespräch zwischen IG und H96 und zum Teil nicht erfolgter Reaktionen (siehe Stellungnahme der IG auf der RK Homepage vom 29.5.2014 „Klarstellung der IG Rote Kurve zu Berichten über Gespräche mit Martin Kind“)

3) Fragen zum Konflikt zwischen Hannover 96 und einem Teil seiner Fanszene
Ihr habt sicherlich von dem Konflikt zwischen Teilen der organisierten Fanszene und dem Verein mitbekommen. Inwiefern berührt euch dieser Konflikt?
Wir waren selber ein sehr aktiver Teil der Fanszene
Was ist eure Haltung/Meinung, wie dieser Konflikt entstanden ist?
Siehe Punkt 2.a und Beitrag „Kind muss weg! -Aber warum?“ vom 08.08.2014 auf der Homepage “Brief an Kind
Wünscht ihr euch eine Wiederannäherung oder Schlichtung in diesem Konflikt?
Die Frage geht am Thema vorbei, was wir uns wünschen ist eine grundsätzlich andere Haltung gegenüber allen Fans (siehe Frage 2a).
Wenn ja,
was sollten aus eurer Sicht die entsprechenden Fangruppierungen tun, um den Konflikt zu schlichten bzw. um eine Annäherung zu ermöglichen?
Wir waren aktiv (Fanclubtreffen, diverse Mails an Martin Kind, Thorsten Meier usw) und wurden für dumm verkauft (siehe Frage 2.a)
was sollte aus eurer Sicht der Verein tun, um den Konflikt zu schlichten bzw. um eine Annäherung zu ermöglichen?
Diese Frage hätte eigentlich an den Anfang gehört!
Wertschätzung für die Fanszene Hannovers war von Seiten des Vereins nie vorhanden, das wurde aber durch die engagierte Arbeit der Roten Kurve überdeckt und kompensiert.
Diese engagierten Fans (Rote Kurve und Fanladen) zum „Sündenbock“ zu erklären und damit zur Selbstauflösung zu nötigen, war der größte Fehler, den der Verein machen konnte.
Eine Lösung des Konflikts kann nur dadurch initiiert werden, wenn bei Hannover 96 ein grundsätzliches umdenken hinsichtlich der Fanszene geschieht.
Wir sehen Martin Kind auch nicht als das grundlegende Problem. Es gibt mindestens zwei Personen die Martin Kind hinsichtlich seiner Entscheidungen sehr negativ beraten und ihm gegenüber zum Teil auch nicht zu 100% loyal sind. Mit den Personen Thorsten Meier und Björn Bremer wird die Situation kein positives Ende nehmen.
Als erstes Signal eines Umdenkens muss eine öffentliche Entschuldigung von Hannover 96 an die aktive Fanszene stehen und zwar für die in Unverhältnismäßigkeit stehenden Auswärtsfahrten „Achim“ (also Bremen) und Braunschweig.